Zwischen schnarchlangweiliger Beschreibung der eigenen Person und marktschreierischer Anpreisung der eigenen Vorzüge liegen Welten. Das Alter wird gern verschwiegen, da mit vorschreitendem Alter die Tränensäcke grösser und die Denkkapazität immer kleiner wird. Auch Hobbies, ja nun, wer interessiert sich wirklich dafür, dass derjenige jetzt Kröten züchtet oder des nächtens Zigarettenstummel sammelt. Daher hier nur die vermeintlich wichtigsten Dinge.

Mit über 50 Jahren, bin ich immer noch ein Sporthasser, obwohl, wie ich selbst weiss, etwas Bewegung ganz gut tut, was übrigens auch meine Frau sagt, aber der tut Bewegung ja auch ganz gut und ich werde mich erst bewegen, wenn sie sich auch bewegt. Sie behauptet ja, dass das Ausreiten auf ihrem Pferd (Anglo-Araber) auch Bewegung für sie bedeute, da hat sie aber, glaube ich, irgend etwas falsch verstanden.

Durch und durch Naturwissenschafter bin ich im Chemiestudium geworden. Münster in Westfalen, wo ich ja selbst aus Westfalen komme, ist dazu hervorragend geeignet, jede Menge studentisches Leben, aber auch jede Menge Zeitinvestition für die Stofflichkeit. Innerhalb des studentischen Lebens lernt man dann bei einer Party die Frau des Lebens kennen, die sich bei den Theologen tummelte und heute als Pfarrerin in Muri, schon viele andere Paare in den "Bund der Ehe" überführt hat.

Mit dem dekorativ wirkenden Doktortitel entdeckte ich dann 1990 eine Anzeige in "Die Zeit" für eine Anstellung an der Uni Zürich in der Physiologie. Gesucht wurde ein Molekularbiologe (vielleicht auch Genchemiker), was auf mich zu der Zeit passte. Dann bin ich ein paar Jahre in der Forschung zur Entzündungshemmung steckengeblieben. Nach gesamthaftigen 10 Jahren Forschung schien es Zeit für die Midlifecrisis, der ich mindestens ein Schnippchen durch eine neue Ausbildung, also der zum Mittelschullehrer, geschlagen habe. Nach der Absolvierung des Diploms für das höhere Lehramt fand ich mich dann 1998 an der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene und an der Kanti Wiedikon wieder. Ich muss sagen, dort hat man einen gewissen Sinn für meinen leicht westfälischen Akzent der bar jedes "R"-Lauts ist: Dinta im Winta heisst übersetzt Dinter im Winter. Zwischendurch gab es aber noch ein Gastspiel in Reussbühl bei Luzern.

Wo steht der Dinter Sommer wie Winter denn didaktisch? Er würde ja gern, aber "wir haben doch keine Zeit", alles selbst von den Schülern entdecken lassen, denn das sitzt, ist aber etwas zeitaufwändig für Schüler wie Lehrer, dem Stoff selbst ist es ja egal, wie er rüberkommt. Der Didaktikprof sagte, Schüler, die in ihren Unterricht kommen, wollen eigentlich was lernen, sie sind sehr sensibel für Zeitverschwendungen und anfällig für unerwünschtes Verhalten, denn sie langweilen sich ungern. Wenn die Chemie auch nicht gerade das Potenzial eines Lieblingsfachs hat, so bin ich doch bemüht, die böse Langeweile, so weit wie möglich abzuwehren. Es kann nicht immer und nicht bei allen gelingen.

Ja und sonst? Den 1. Bildungsweg habe ich mittlerweile verlassen und bin der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene treu geblieben. Nach 10 Jahren im Chemieunterrichtszimmer durfte ich radikal umdenken und die Schule aus Sicht des Prorektors mitleiten. Eine völlig neue Erfahrung, aber psychologisch hochspannend. Etwas Handwerkszeug habe ich mir durch die bereits abgeschlossene CAS Ausbildung zum Schulleiter EDK (!, jawohl) erworben. Nein, langweilig wird es auch mir nicht.

Ja und sonst? Ein wenig Gesangsunterricht hier, viel literarisches Cabaret dort, Matthäus-Passion und Verdi-Requiem auch im Chor erledigt, angefangen mit Klavierspielen und schon wieder aufgehört und obendrauf noch eine gute Portion Statisterie am Opernhaus in Zürich und etwas an einer Unterrichtsverwaltung programmiert und jede Menge eLearning, Webpublishing und Wissensmanagement MAS Weiterbildung in Luzern und zwei grössere Vorlesungen in allgemeiner und organischer Chemie für Mediziner im 1. Semester vorbereitet und jedes Jahr zum Wintersemester gehalten. Was wollen Sie? Der Tag hat nun mal nur 24 Stunden, auch im Aargau.

Ja und sonst? Lernen muss jeder selbst. Und: Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen (Benjamin Franklin). Die Rahmenbedingungen für die Investition können günstig gestaltet werden. Das ist Aufgabe einer Schule. Oder um es mathematisch und mit Hildegard Knef auszudrücken "Eins und eins das macht zwei und küss und denk nicht dabei, denn Denken schadet der Illusion." Wie wahr, wie wahr.